Auswirkungen von Adipositas auf die weibliche reproduktive Gesundheit

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Auswirkungen von Adipositas auf die weibliche reproduktive Gesundheit
  • 04/04/2026
  • Fettleibigkeit

Auswirkungen von Adipositas auf die weibliche reproduktive Gesundheit

Übergewicht beeinträchtigt die Fruchtbarkeit von Frauen negativ, indem es den Eisprung und die Regelmäßigkeit des Menstruationszyklus stört. Der Grund dafür ist, dass übergewichtige Frauen aufgrund hormoneller Ungleichgewichte verschiedenen Risiken ausgesetzt sind, wodurch ihre Chancen auf eine natürliche Empfängnis sinken. In diesem Artikel werden diese wissenschaftlichen Erkenntnisse verständlich und auf Grundlage aktueller Daten detailliert erläutert.

Auswirkungen von Adipositas auf Hormone und Eisprung
Überschüssiges Fettgewebe im Körper verändert die Hormonproduktion. Das Enzym Aromatase im Fettgewebe wandelt Androgene in Östrogene um und erhöht dadurch den Östrogenspiegel im Blut. Hohe Östrogenspiegel unterdrücken die hypothalamisch-hypophysär-ovarielle (HPO)-Achse; das bedeutet, dass die im Gehirn den Eisprung regulierenden Hormone GnRH sowie LH/FSH reduziert werden.

Andererseits führt Adipositas zu einer übermäßigen Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse. Hohe Insulinspiegel erhöhen die Androgenproduktion (männliche Hormone) in den Eierstöcken. Erhöhte Androgenspiegel hemmen die Follikelentwicklung im Eierstock. Somit führen Insulinresistenz und Fettansammlung in Kombination mit erhöhten Androgen- und Östrogenspiegeln bei adipösen Frauen zu Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs) und Menstruationsstörungen.

In einer Studie wurden Menstruationsstörungen bei 30 % der übergewichtigen Frauen und bei 47 % der adipösen Frauen festgestellt, und es wurde beobachtet, dass bereits ein Gewichtsverlust von etwa 5–10 % den Eisprung wiederherstellen kann.

Adipositas und Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
PCOS ist eine häufige Erkrankung, die durch unregelmäßige Menstruation und Hyperandrogenismus gekennzeichnet ist. Adipositas ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der das Risiko für PCOS erhöht. Studien zeigen, dass die meisten Frauen mit PCOS unter Insulinresistenz und Übergewicht leiden. Im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen sprechen übergewichtige Frauen weniger gut auf die Behandlung von PCOS an. Eine verminderte Ovulation tritt häufiger auf. Adipositas kann sowohl zur Entstehung von PCOS beitragen als auch bestehende reproduktive Probleme verschlimmern.

Adipositas und Fruchtbarkeit
Wissenschaftliche Daten zeigen, dass adipöse Frauen eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. In einer prospektiven Studie wurde ein Rückgang der Schwangerschaftsrate um 4 % für jede Erhöhung des BMI um eine Einheit (z. B. von 30 auf 31) beobachtet. Ebenso ist bekannt, dass Übergewicht die Erfolgsraten von Behandlungen wie IVF/ICSI verringert. Mit anderen Worten: Adipositas reduziert die Chancen auf eine Schwangerschaft sowohl auf natürlichem Weg als auch durch assistierte Reproduktionstechnologien (ART). Der ASRM-Bericht betont ebenfalls, dass „Adipositas den Eisprung, die Menstruationsfunktion, die natürliche Fruchtbarkeit sowie den Erfolg von Infertilitätsbehandlungen beeinträchtigt.“

Auswirkungen auf assistierte Reproduktionstechniken
Ein hoher BMI stellt auch bei Verfahren wie der In-vitro-Fertilisation Hindernisse dar. Adipöse Frauen zeigen eine verminderte Reaktion auf ovulationsstimulierende Medikamente. Diese Patientinnen haben zudem ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Es wurde festgestellt, dass adipöse Frauen mit PCOS im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen höhere Mengen an Hormonen (Gonadotropinen) benötigen und niedrigere Lebendgeburtenraten aufweisen. Das Erreichen eines Zielgewichts vor einer IVF-Behandlung oder Gewichtsreduktion durch bariatrische Maßnahmen ist daher wichtig.

Schwangerschaftskomplikationen und perinatale Risiken
Adipositas ist auch außerhalb der Schwangerschaft eine ernsthafte gesundheitliche Belastung. Während der Schwangerschaft erhöht sie das Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei Mutter und Kind. Gestationsdiabetes und Präeklampsie treten bei übergewichtigen Schwangeren häufiger auf. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Frühgeburten, unnötigen Kaiserschnitten, Makrosomie (großes Neugeborenes) und neonataler Sterblichkeit.

Beispielsweise zeigte eine Studie, dass etwa 18 % der Schwangeren mit einem BMI von etwa 36 (schwere Adipositas) Präeklampsie entwickelten und 15 % an Gestationsdiabetes litten. Laut NICHD erhöht Adipositas während der Schwangerschaft das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck sowie für Fehlbildungen der Wirbelsäule und des Herzens, Makrosomie und Totgeburten.

Fazit und Empfehlungen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Adipositas die reproduktive Gesundheit von Frauen in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Veränderungen im Hormonsystem stören den Eisprung, verursachen Menstruationsstörungen und verringern die Fruchtbarkeit. Gewichtskontrolle vor der Schwangerschaft, Lebensstiländerungen und bei Bedarf medizinische oder interventionelle Unterstützung sind entscheidend, um die Empfängnis zu erleichtern und Schwangerschaftsrisiken zu reduzieren. Wissenschaftliche Belege zeigen, dass Gewichtsverlust die Ovulationsfunktion verbessern und die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen kann.

Quellen
The Impact of Maternal Obesity on Maternal and Fetal Health - PMC
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2621047/

Who is at increased risk of health problems during pregnancy? | NICHD
https://www.nichd.nih.gov/health/topics/preconceptioncare/conditioninfo/risk

Obesity and reproduction: a committee opinion (2021) | ASRM
https://www.asrm.org/practice-guidance/practice-committee-documents/obesity-and-reproduction-a-committee-opinion-2021/

Risk of Adverse Pregnancy Outcomes by Prepregnancy Body Mass Index
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4285688/

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